Pressetext

PETER HENRYK BLUM
BEI RAVENBORG PAN Y VINO

Der Maler und Graphiker
zeigt einen Ausschnitt aus seinem Oeuvre

Am Donnerstag, 21. Oktober, 19 Uhr,
eröffnet das „Ravenborg pan y vino“ in Zusammenarbeit mit der Galerie Elbchaussee die Ausstellung eines ungewöhnlichen Künstlers: Peter Henryk Blum.

Blum, der mit dieser Schau sein Hamburg-Debüt gibt, wurde 1964 in der polnischen Hafenstadt Elbing geboren, wuchs in der Barockstadt Fulda auf, bestritt mit 14 Jahren seine erste Ausstellung, studierte in Kassel und erhielt nach seinem Diplom, das er 1991 mit Auszeichnung erwarb, das renommierte Stipendium der Kunststation Kleinsassen. Inzwischen weist seine Vita über 100 Ausstellungen in der ganzen Welt aus, z.B. in Osaka/ Japan, Willmington/ USA, im Nationalmuseum der Kunst Cluj-Napoca/ Rumänien, im Europäischen Parlament in Brüssel und im Künstlerhaus Wien, um nur einige wenige zu nennen. Sein Professor an der Kasseler Akademie war der norddeutsche Realist Kurt Haug, ehemals Mitglied der Gruppe ZEBRA und in Hamburg kein Unbekannter. Peter Henryk Blum gehört zu seinen erfolgreichsten, aber auch eigenwilligsten Schülern.

Technisch brillant bannt er Objekte und vor allem Menschen auf seinen Bildern. Auf vielen seiner Arbeiten erscheinen sie wie von der Hand eines Renaissance-Meisters. Doch genügt Blum die perfekte realistische Wiedergabe nicht. Oft tauchen neben seinen Figuren abstrakte und ornamentale Elemente auf, die wie ein Kommentar zur realistischen Darstellung wirken. Dazu zählen auch die Schatten, die seine Modelle werfen. Sie scheinen fast ein Eigenleben zu führen und offenbaren ebenso wie seine Faltenwürfe und seine Menschendarstellungen seine ganze Könnerschaft.
Die genaue Beobachtung und die gelungene Umsetzung stehen auf der einen Seite, doch zeichnen sich seine Bilder durch weitere unverwechselbare Merkmale aus: Sie stellen keinen Schnappschuss, keinen zufällig ausgewählten Moment der Wirklichkeit dar, sondern er inszeniert seine Modelle, löst sie aus ihrem natürlichem Umfeld, lässt sie in zeichenhaften Posen verharren und unterstreicht die Künstlichkeit der Situation oft noch durch die Wahl seiner Farbigkeit.

Hier liegt auch der Unterschied zwischen diesem Künstler und einem Realisten im engeren Sinne. Für ihn sind seine Modelle keine Vorlagen einer nachzuahmenden Wirklichkeit, kein Selbstzweck und kein zu beobachtendes Forschungsobjekt, sondern genau wie alle andern sichtbaren Formen – seien sie nun abstrakt oder gegenständlich – sind sie ihm Medium zur Darstellung seiner Ideen. Seine Modelle sind die Buchstaben einer Sprache, in der er Antworten auf die Fragen formuliert, die ihn umtreiben: Was ist Schönheit? Was ist hässlich? Was ist normal? Ist ein Verbrechen im Gesicht des Verbrechers zu sehen? Ist Stille darstellbar? Was zeigt ein Bild, das eine Person zeigt, die ein Bild zeigt?

Doch so entschieden er Partei ergreift und Meinung äußert und so sehr seine Bilder auch den Betrachter zu Reaktionen herausfordern, es bleiben immer auch alternative Deutungsmöglichkeiten. Unwillkürlich ertappt man sich dabei, wie man sich vor seinen Bildern Geschichten zurechtspinnt und Verbindungen konstruiert. Ob diese Verbindungen auch vom Künstler so geknüpft wurden, sei dahin gestellt. Sie sind als Möglichkeiten in den Bildern durchaus angelegt. Als Beispiel dafür kann auch das Titelgebende Bild von Peter Blum dienen.  Es heißt „Wenn ich Zeit hab, geh ich hin“ und zeigt einen nachdenklichen Mann vor einer Plakatwand mit Lilo Wanders-Postern. Kennt man die Identität des Mannes, ergeben sich neben der offensichtlichen weitere Deutungsmöglichkeiten, deren Wirkung die gesamte Spanne zwischen Ironie und Melancholie abdecken. Doch man muss die Entstehungsgeschichte des Bildes nicht kennen, um Genuss, Anregung, Reibung und Inspiration aus dem Gemälde zu ziehen.

Neben großformatigen Gemälden und Zeichnungen präsentiert Peter Blum bei Ravenborg eine Installation, mit der er künstlerisch den Fall „Praline“ aufarbeitet. Der Prozess, der von einem Modell gegen den Maler angestrengt wurde, führte dazu, dass im Jahr 2004 zum ersten Mal nach dem 2. Weltkrieg ein Bild „im Namen des Deutschen Volkes“ verbrannt wurde. Ein Fall, der bundesweit Wellen schlug.

Unabhängig davon, ob er seine Ideen auf der Leinwand oder auf dem Papier umsetzt, immer zeugen seine Bilder und Zeichnungen von einem unerschöpflichen Ideenreichtum, einer geradezu ansteckenden Lust am Sehen und von einer Virtuosität, die ihm erlaubt die gewählte Technik und Bildsprache auf das Sujet Maßzuschneidern.

Die Ausstellung wird am Donnerstag, 21.10.2010, um 19 Uhr eröffnet
und dauert bis zum 14.11.2010.
Ravenborg, Elbchaussee 520,
22587 Hamburg, 040-393344
Öffnungszeiten: Mo-Fr, 12-20 Uhr, Sa, 10-16 Uhr, Do:12-24 Uhr, Vino y tapas ab 18 Uhr

 

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Peter Henryk Blum
 
Portraitaufnahme Peter Henryk Blum,
schwarz-weiß, Foto: arte logo
 
Peter Henryk Blum
 
Gemälde „Wenn ich Zeit hab, geh ich hin“,
Jahr: 2010 Technik: Acryl auf Leinwand,
Maße: 75 x 104 cm, Foto: privat