PETER HENRYK BLUM PRALINE 2002, Öl auf Leinwand, 110 x 90 cm

Zur Geschichte des Bildes:
Ende des Jahres 2001 ging eine junge Frau zu einem Fotografen, um ihn damit zu beauftragen, erotische Fotos von ihr zu machen.
Die Fotos wurden gemacht und alle waren sehr zufrieden mit den Ergebnissen, die Rechnung an den Fotografen wurde pünktlich überwiesen.
Der FotograHerr Weinstock ist mit dem Maler Peter Henryk Blum bekannt.
Er wusste, dass dieser immer nach ausgefallenen Modellen sucht.
Er erzählte seiner Kundin von dem Maler und zeigte ihr seine Kataloge, in denen sie sehen konnte, wie Peter Blum arbeitet und wo er schon überall ausgestellt hat.

Sie war einverstanden, sich von ihm malen zu lassen und suchte gemeinsam mit Herrn Weinstock ein Foto aus der Serie aus, das dem Maler gezeigt werden sollte.f heißt Dieter Weinstock und lebt und arbeitet in Tann/ Rhön.
Am 24. Januar 2002 besuchte der Fotograf den Maler in seinem Atelier in Motten und zeigte ihm Kontaktabzüge des Fotos. Peter Blum war begeistert. Endlich mal ein fülliges Modell nach all den schlanken und sogar dürren Mädchen, die ihm bisher posiert hatten, freute er sich.
Im März 2002 fuhr Peter Blum nach Tann, um sein zukünftiges Modell persönlich zu fragen, ob sie ihm erlaube, sich des Fotos als Malvorlage zu bedienen.
Sie stimmte im Beisein des Fotografen zu.
Es wurde ausgemacht, dass sie nach Motten kommen solle, um dort für weitere Aktaufnahmen in des Künstlers Garten (vor der blühenden Magnolie) zu posieren.
Das war der letzte persönliche Kontakt zwischen Maler und Modell.
Das Bild entstand im Herbst 2002 nach der fotografischen Vorlage und durchlief verschiedene Stadien, bis es dann als fotorealistischer Halbakt der jungen Frau mit Blick gen Himmel, angereichert mit den typischen Blum'schen Ornamenten und abstrakten Bildelementen, schließlich im November 2002 einen Ehrenplatz auf der Einzelausstellung des Malers in der Galerie Liebau in Burghaun bekam.
Dort erntete es viel Beifall und wurde zumindest von einem Teil des Publikums als Fanal der Kunst gegen den Schlankheitswahn unserer Gesellschaft interpretiert, während Kindergartenkinder, Freunde des kleinen Malersohnes instinktiv darauf reagierten.
Die vollbusige Schöne übte einen so unwiderstehlichen Reiz auf die kleinen Jungen aus, dass sie das Bild anfassen und sich an diesem "neolithischen Ofen" wärmen wollten.
Im Januar 2003 drehte der Hessische Rundfunk einen Film über die Galerie Liebau.
Der Film wurde am 07. Februar 2003 in dem Format "Bilderbogen" ausgestrahlt.
Als einer der von der Galerie Liebau vertretenen Künstler wurde Peter Blum interviewt
und seine aktuelle Ausstellung dort gezeigt.

Selbstverständlich war auch das Bild "Praline" zu sehen.

Kurz darauf rief ein Mitglied der Kreuz GmbH bei Peter Blum an und fragte, ob er nicht mal wieder ein Bild auf dem Cover des "Kreuz & Quer" Veranstaltungsmagazins veröffentlichen wolle.

Es war nicht das erste Mal, dass der Maler eines seiner Werke zur Abbildung auf dem Veranstaltungsprogramm der Kreuz GmbH freigegeben hatte und so sagte er zu.
Schnell war das favorisierte Bild gefunden und so prangte die "Praline" kurze Zeit später auf der Frühjahr-Ausgabe des Magazins, Auflage 8.000 Stück.
Das nächste Kapitel wurde von dem Modell des Bildes geschrieben, das den Maler Anfang April 2003 durch ihre Anwältin aufforderte wegen der Verletzung ihrer Persönlichkeitsrechte, 5.000,00. Euro zu zahlen, das Bild herauszugeben und verbot, das Bild zu veröffentlichen.

Als Begründung wurde angegeben, nie die Einwilligung gegeben zu haben, sich malen zu lassen und schon gar nicht das eigene Konterfei derart vervielfältigt zu sehen.
Schließlich erwirkte die Frau sogar eine einstweilige Verfügung, die dem Maler unter Androhung von 100.00,00 Euro Strafe oder 6 Monaten Ordnungshaft verbot, das Bild zu zeigen, bis eine ordentliche Verhandlung den Streit entschieden und ein Urteil ergangen sei.
Die Verfügung betrifft jeden möglichen Rahmen einer Veröffentlichung, sei es eine Ausstellung, die Homepage des Künstlers, aber auch das Atelier und Haus des Künstlers, das als öffentlicher Raum mit Kundenverkehr gewertet wird.

Peter Blum ließ sich daraufhin von dem Fotografen eidesstattlich bezeugen, dass die streitlustige junge Frau sehr wohl in seinem Beisein ihr Einverständnis gegeben hatte, sich malen zu lassen, und zumindest durch die Kenntnis der Kataloge des Malers hätte wissen müssen, dass sie sich nicht auf einen Maler eingelassen hat, der das Bild anschließend ins eigene Schlafzimmer hängt.
Am Mittwoch, 21. Mai 2003, fand die Hauptverhandlung in Bad Kissingen statt.
Klägerin und Beklagter waren anwesend, ebenso wie zahlreiche Vertreter der regionalen und überregionalen Presse.

Juristisch wurde abgewogen, welches Recht hier höher zu bewerten ist, das Persönlichkeitsrecht oder das Recht auf die Freiheit der Kunst.
Das Urteil wird am nächsten Dienstag, 27. Mai 2003 verkündet.